
Veröffentlicht: 20 Januar 2012 Zuletzt geändert: 03 Februar 2012
,,Erkenntnis ist eine Funktion der Zeit.‘‘ Das wusste der geniale Albert Einstein. Manche sprechen heute von Timing, ohne dabei an Einstein zu denken.
Sie meinen damit: Das Richtige zur richtigen Zeit am richtigen Ort tun. Das ist dann perfektes Timing.
Perfekt, na, sagen wir, nahezu perfekt, war das Timing der Gründung von ,,Prime‘‘ in Den Haag. Prime steht für ,, Panel of Recognised International Market Experts.’’ Prime soll die neue internationale Gerichtsinstanz werden, die bei grenzüberschreitenden Konfliktfällen in der Finanzwelt Recht sprechen soll. In Den Haag, der Stadt des Friedens und des Rechts, wo sonst.
Prime kann aktiv werden, wenn sich Banken untereinander streiten. Über dieses oder über jenes Geschäft. Oder wenn sich Banken und Firmen über Finanzierungen im Clinch liegen. Dann können sie künftig Prime, das Haager Finanz-Tribunal, einschalten. Voraussetzung aber ist: Beide Streitparteien müssen die Gerichtsbarkeit von Prime vorab anerkennen.
Eröffnet wurde Prime am 16. Januar 2012 vom niederländischen Finanzminister Jan Kees de Jager, Jeffrey Golden von der London School of Economics und der Haager Stadträtin Marjolein de Jong. Sitz ist der Friedenspalast, wo sich Prime in bester Gesellschaft mit dem UN-Gerichtshof befindet.
Das Timing zur Gründung von Prime ist nahezu perfekt, weil die internationale Finanzkrise, die 2008 begann und die inzwischen zu einer internationalen Schuldenkrise sowie zu einer Krise des Euro eskalierte, solche Instanzen wie Prime künftig brauchen wird. Die Pleite von Lehman Brothers oder der Mega-Betrug des Finanzgauklers Madoff hätte vor Prime verhandelt werden können, hätte es das Haager Finanz-Tribunal vor 4 Jahren schon gegeben. Nun darf man gespannt darauf sein, welche Streitfälle künftig vor dem neuen Haager Tribunal ausgetragen werden. Der französisch-belgische Streit um die Beinahe-Pleite-Bank Dexia? Die Folgen der Verstaatlichung der Benelux-Bank Fortis für die die Fortis-Aktionäre bis heute nicht entschädigt wurden? Oder die drohenden Pleiten von griechischen Banken falls das Land von Sokrates tatschlich in den Staatsbankrott schlittern sollte? Wir werden sehen.